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Nominierungen für den 69. Hörspielpreis der Kriegsblinden stehen fest

Für den 69. Hörspielpreis der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst hat eine 15-köpfige Jury drei Arbeiten nominiert. Die renommierte Auszeichnung, getragen von der Film- und Medienstiftung NRW und ab diesem Jahr vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), wird am 24. Juni zum ersten Mal als Podcast-Preisverleihung vergeben.

Unter Vorsitz der Kulturwissenschaftlerin Gaby Hartel nominierte die Jury folgende drei Produktionen:

„AUDIO.SPACE.MACHINE“ von wittmann/zeitblom, Produktion: Deutschlandfunk mit NDR und SWR
100 Jahre Bauhaus. Der ehemalige Direktor Walter Gropius braucht eine Festrede. Er trifft Moholy-Nagy, Mies van der Rohe und andere Weimarer Kollegen auf der Suche nach Inspiration. Doch die Realisierung der Moderne hat nicht nur die Bauhaus-Ideen verändert. Selbst seine Künstlerfreunde scheinen nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern in der Maschinerie aufgegangen zu sein. In 18 Tracks beleuchten die Autoren 100 Jahre Maschine-Mensch-Beziehung, das idealistisch-utopische Denken der Bewegung, ihre Mythen und Manien. Dafür schaffen sie ein mechanistisch-digitales Klanguniversum, assoziative Sound-Labore und kombinieren Texte von Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und weiteren Bauhaus-Künstlern der 20er Jahre mit Zitaten u.a. von John Cage, Bazon Brock und dem KI-Experten Martin Rees. Die Jury: „‘Audio. Space. Machine‘ ist […] kein historisches Stück. Es ist brandaktuell: Indem sie den vergangenen Stoff in unsere Zeit fortschreiben, geben wittmann/zeitblom uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir, im Rückblick auf Geschehenes, unsere Zukunftsmöglichkeiten durchdenken können.“

„Das Ende von Iflingen“ von Wolfram Lotz, Produktion: SWR
Finster, komisch und leise melancholisch beschreibt Wolfram Lotz in seinem neuen Hörspiel nichts Geringeres als den Tag des Jüngsten Gerichts. Von dem auch das fromme Örtchen Iflingen nicht verschont bleibt. Mit flammendem Schwert und loderndem Arbeitseifer steht Erzengel Michael am Rande des Dorfes, bereit, dessen Einwohner „zu Asche zu schlachten“. Dann kommt Engel Ludwig angeflattert – ohne Schwert, dafür aber mit Posaune. Noch schlimmer aber ist, dass Ludwig nicht nur keine Ahnung vom ‚Auftrag‘ hat. Sondern auch noch Zweifel anmeldet. An Gottes Plan! Entnervt schreitet Erzengel Michael voran, den verzagten Posaunenengel im Schlepptau, um die göttliche Anweisung energisch in die Tat umzusetzen. Die Jury: „Versponnen, märchenhaft und denkwürdig konkret in seiner figurativen akustischen Präsenz taucht ‚Das Ende von Iflingen‘ sein Publikum in eine entrückte Wirklichkeit, die ein völlig überraschendes Ende findet.“

„Die Entgiftung des Mannes“ von Holger Böhme, Produktion: MDR
Im Herbst 1989 haben sich Steffi und Isa bei den Dresdner Montags-Demonstrationen kennengelernt, doch in den Nachwendewirren bald aus den Augen verloren. 30 Jahre später begegnen sie sich wieder: Als Steffi in Isas Agentur für ihren Mann Jochen Plakate in Auftrag geben will: Pegida-Plakate. Das will Isa auf keinen Fall hinnehmen. Steffi bleibt skeptisch, beteiligt sich jedoch an Isas Vorhaben, den dauerstänkernden Jochen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt zurückzugewinnen. Doch die Entgiftung des Mannes gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Jury: „Mit sicherem Gespür für Dialekt und Dialoge verfolgt Böhme nun die immer abenteuerlicher sich entwickelnden und verwickelnden Entgiftungsstationen. Er skizziert seine Figuren mit leichter Hand und lässt sie in quirligen Telefonaten, konspirativ mitgelauschten Treffs, mit ihren gesamten, verblüffend erfolgreichen, kichernden Intrigen zu wahrer Größe aufleben. […] So verfolgen wir bis zu seinem überraschenden Ende hin amüsiert und auch nachdenklich ein über das ‚Boulevard‘ weit hinausgehendes, radiogenes witziges Bekehrungsstück.“

Streaming der nominierten Hörspiele
Weitere Informationen zu den Autorinnen und Autoren, die vollständigen Jurybegründungen und Streams zu den nominierten Hörspielen finden Sie hier. Die von Ute Soldierer moderierte Preisverleihung ist als Podcast ab dem 24. Juni unter www.filmstiftung.de abrufbar. Ursprünglich war die Verleihung im Deutschlandfunk in Köln geplant.

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird seit 1952 jährlich an ein für einen deutschsprachigen Sender konzipiertes Original-Hörspiel verliehen, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert. In diesem Jahr übernahm der DBSV die Mitträgerschaft vom Bund der Kriegsblinden.

Die Jury des 69. Hörspielpreises der Kriegsblinden
Blinde Juroren: Paul Baumgartner, Joachim Günzel, Hans-Dieter Hain, Dietrich Plückhahn, Siegfried Saerberg, Dörte Severin, Thade Rosenfeldt

Kulturschaffende: Gaby Hartel (Kulturwissenschaftlerin, Vorsitzende der Jury), Thomas Irmer (Freier Journalist, u.a. Theater der Zeit), Eva-Maria Lenz (Freie Journalistin, FAZ, epd), Doris Plöschberger (Suhrkamp Verlag), Diemut Roether (epd medien), Hans-Ulrich Wagner (Universität Hamburg, Hans Bredow-Institut), Isabel Zürcher (Kritikerin, Lektorin und Publizistin), Jenni Zylka (Journalistin, Autorin und Moderatorin)

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