Kiss FM: Gut gedacht, schlecht umgesetzt

„Deutschland – Dein Land?“ fragte Kiss FM am 9. Oktober im Rahmen seiner Call-In Sendung Facetalk. Zugeschaltet waren der Berliner Iman Ali Özgür Özdil, die MTV-Moderatorin Wana Limar, der jüdische Autor Shahak Shapira und der Neonazi-Rapper Julian Fritsch alias Makss Damage. Was im Vorfeld vielleicht wie eine gute Idee für eine kontroverse Diskussion geklungen haben mag, entwickelte sich spätestens im Laufe der Sendung in die falsche Richtung, wie Shapira bei VICE schildert. Das auch Makss Damage zugeschaltet werden würde, habe er überhaupt erst wenige Stunden vor Sendungsbeginn erfahren. Shapira habe daraufhin beim Sender protestiert, der ihm vorschlug er solle absagen oder den Rapper und seine Ideologie in der Diskussion entzaubern. Am Ende kam es nicht dazu, da die Moderatoren dem Wunsch des rechten Rappers entsprachen, der nicht mit den anderen zugeschalteten Gästen direkt ins Gespräch kommen wollte. Und in ihrem Talk auf ein allzu kritisches Herangehen verzichteten – es blieb bei etwas Geplauder und seichten Fragen aus der Kategorie, ob man denn als Neonazi auch Döner esse. In den Augen vieler Hörer verkam die halbstündige Sendung so zur Bühne für Fritsch, zu dessem Repertoire Textzeilen wie „Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen, die jüdisch sind“ gehören. Der Sender erntete am Ende Jubel aus der falschen Ecke und von seinen Hörern einen berechtigten Shitstorm im Netz.

<a href=““ <?php echo get_permalink(); ?>“Radiosender lädt Neonazi-Rapper ein – und mich, einen Juden“ </a> bei VICE schildert.Das Interview

Kiss FM hat einen mit „Gegendarstellung“ überschriebenen Kommentar ins Netz gestellt, verzichtet darin aber auf eine direkte Entschuldigung:

„Jeder von Euch, der 98.8 KISS FM kennt und hört, weiß, dass wir jegliches rechtes Gedankengut ablehnen, verurteilen und abscheulich finden. Dennoch hat die letzte facetalk Sendung mit Lukas und Toyah bei Euch viele kritische, emotionale und vor allem negative Reaktionen ausgelöst. Grund: Ein Interview mit einem Rapper, der der rechten Neonazi-Szene zuzuordnen ist. Für viele von Euch ist das ein absolutes No-Go, dass wir diesem Rapper eine Plattform gegeben haben und Ihr stellt uns zu Recht die Frage, warum wir das gemacht haben. Uns als multikultureller und integrativer Jugendradiosender der Hauptstadt ist es sehr wichtig, harte & emotional aufreibende Themen nicht auszulassen, zu verfluchen oder auch zu ignorieren. Wir als KISS FM Team sehen es als unsere Pflicht, solche Themen anzupacken und darüber zu reden sowie intensiv zu diskutieren.“

Die Aufzeichnung der Sendung hat Kiss FM allerdings von seiner Webseite entfernt.

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