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Heute läuft die letzte Sendung von Jürgen Domian

Heute Nacht verabschiedet sich 1LIVE-Talkmaster Jürgen Domian von seinem Publikum und geht zum letzten Mal auf Sendung. Domian kann auf über 21 Jahre hinter dem Mikrofon zurückblicken – von Montag bis Freitag, Woche für Woche hatte er Anrufer im Studio, die sich mit ihm über Banales und Dramatisches, Liebe und Tod unterhielten. Immer von 1 bis 2 Uhr nachts im Radio und parallel im WDR Fernsehen.

Weit über 20.000 Telefongespräche sind so zustande gekommen. Hörer, die sich zur nächtlichen Stunde mit ihren Sorgen, Ängsten, Glücksmomenten, erdrückenden Krankengeschichten, Liebes- und Lebensnöten an ihn wendeten oder manchmal auch von skurril anmutenden sexuellen Vorlieben berichteten. Die sexuellen Themen hätten aber eher abgenommen in den letzten Jahren, stattdessen höre er nun häufiger Schilderungen von Gewalterlebnissen oder von jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die zwischen den Kulturen stehen und den daraus resultierenden inneren Konflikten, erzählte der Talker jüngst „DerWesten.de“ in einem Interview. Die Sendung war ein offenes Forum, in dem jeder mit seinem Problem und seinen Erlebnissen für einige Minuten Gehör finden konnte. Domian versuchte immer die kleineren und auch die existenziellen Krisen zu ordnen und seinen Anrufern erste Lösungsansätze aufzuzeigen. Wissend, dass es im Angesicht von manchem Schicksalsschlag und mancher Last nicht immer direkte Antworten geben kann. Am Ende stand deshalb auch meistens der Verweis an die Psychologen im Hintergrund der Sendung, da Domian selber kein ausgebildeter Psychologe ist.

Im Sommer 2015 kündigte Jürgen Domian seinen Abschied an. „20 Jahre Nachtschicht sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ich habe Lust, mal wieder häufiger die Morgensonne zu sehen“, gab Domian damals als Grund für das Ende der Sendung an. Raus aus der Nacht, rein in einen normaleren Lebensrhythmus.

Im Februar erlebte die Sendung in ihrem letzten Jahr nochmal einen turbulenten Moment, als eine Fake-Anruferin Domian und sein Team narrte. Sie inszenierte während des laufenden Gesprächs eine vermeintliche Prügel-Attacke und ließ den Talkmaster schockiert zurück. Der wollte zunächst nicht an einen schlechten Scherz glauben und warf in dieser Annahme der BILD-Zeitung, die Gegenteiliges berichtet hatte, eine Falschmeldung vor.

Einen Nachfolger wird es nicht geben.Von Januar bis April wird Domian aber erst einmal mit einer 1Live-Produktion durch Nordrhein-Westfalen touren und auf der Bühne von seinen Erlebnissen aus den letzten zwei Jahrzehnten berichten und diese reflektieren. Und Bücher will er weiter schreiben, er wird also seinen Fans erhalten bleiben.

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