Eklat um UKW-Ausstrahlung von UPLINK Network auf MEDIA BROADCAST Antenne

Eigentlich sollte der 01. Juli einen freudigen Anlass für das Städteradio Saalfeld/Rudolstadt/Bad Blankenburg (SRB) bieten. Der Offene Kanal sollte nach langer Suche seine störungsbelastete UKW-Frequenz 101,4 MHz, betrieben von MEDIA BROADCAST, gegen die bessere 105,2 MHz eintauschen. Dafür hatte die Thüringer Landesmedienanstalt TLM mit der UPLINK Network GmbH einen neuen Sendernetzbetreiber beauftragt, die UKW-Frequenz 105,2 MHz am Standort Kulmberg zu betreiben. Die Antenne auf dem Kulmberg gehört allerdings wiederum der MEDIA BROADCAST. Somit wäre der Betrieb der UKW-Frequenz 105,2 MHz ein Novum in Deutschland. Erstmals könnte ein neuer Sendernetzbetreiber über die Antenne des Branchenprimus ausstrahlen.

Am Mittwoch sollte die Umschaltung von der einen auf die andere Frequenz erfolgen. Allerdings gelang lediglich die Abschaltung der Frequenz 101,4 MHz, zur Neuaufschaltung kam es bisher nicht. Wie es auf der Facebookseite des Senders SRB heißt, seien die Techniker fieberhaft dabei an einer Lösung zu arbeiten. Was nach einem Problem beim Technikdienstleister UPLINK Network GmbH aussieht, scheint viel weitreichendere Gründe zu haben, wie UPLINK-Geschäftsführer Michael Radomski gegenüber der radioWOCHE sagte: „Das Sendesignal zum Kulmberg steht und wurde auch von der Bundesnetzagentur geprüft“. Es gebe demnach ein Problem bei der Antennenweiche, die wiederum der MEDIA BROADCAST gehöre. So erzeuge das Gesamtsystem Interferenzen die zu einer Nicht-Freigabe durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) führten.

Nach Auskunft von Radomski hätte das Problem im Vorfeld durch Messungen seinerseits erkannt werden können, aber „die MEDIA BROADCAST hat uns diese Möglichkeit nicht gegeben“. Nach seinen Worten könnte man das Problem auch mit einer technischen Übergangslösung beseitigen, wie die Techniker es am Mittwoch bereits bewerkstelligen konnten. Allerdings kam dann nach den Worten von Michael Radomski die ausdrückliche Anweisung aus der MEDIA BROADCAST Geschäftsführung die Aussendung zu verhindern.

Die MEDIA BROADCAST wehrt sich in aller Form gegen die Unterstellung des Mitbewerbers, die Aussendung einer UKW-Frequenz verhindert zu haben. „MEDIA BROADCAST hat den Mitbewerber bei der Einrichtung der UKW-Frequenz am Standort Kulmberg weit über das gebotene Maß hinaus unterstützt. Darüber hinausgehende Unzulänglichkeiten des Mitbewerbers bei der Einrichtung des UKW-Senders können seitens MEDIA BROADCAST nicht kompensiert werden. Der Vorwurf einer Verhinderung der Aussendung durch MEDIA BROADCAST ist vor diesem Hintergrund mehr als unverständlich. MEDIA BROADCAST behält sich vor, sich mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln gegen diese geschäftsschädigende Unterstellung zur Wehr zu setzen“, wie es auf Nachfrage der radioWOCHE heißt.

Michael Radomski geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht die Regulierung in Gefahr. „Hier wird ganz offensichtlich eine Lücke in der Regulierung genutzt, um einen Wettbewerber zu diskreditieren“.

Der Auftraggeber für die neue UKW-Frequenz 105,2 MHz, die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM), ist „verwundert und auch verärgert“, wie Direktor Jochen Fasco gegenüber der radioWOCHE sagte. „Immerhin sollte so ein Umstieg problem- und lautlos vor sich gehen“, so Fasco. Ihm tun vorallem die freien Radiomacher leid: „Schade, vor allem für die Radio-Macher vor Ort, war es, dass die 4jährige Neulizenzierung des Senders, die mit einer öffentlichen Veranstaltung verbunden war, nur den Stream als Grundlage mögliche war und das UKW-Signal nicht funktionierte. Noch bedauerlicher wäre es, wenn der Bürgersender mit seinem umfangreichen Programm beim deutschlandweit beachtetem Tanz und Folk-Festival in Rudolstadt, das über das ganze Wochenende laufen wird, nicht zu empfangen wäre. Unsere Erwartung geht dahin, dass die Probleme bis dahin gelöst sind und der Sender wieder funktionieren wird“. Nach Fascos Worten ist hierzu die Installation einer neuen Weiche notwendig. „Derzeit wird an der Fehlerbeseitigung gearbeitet“.

Das bestätigt auch die Bundesnetzagentur (BNetzA), die bei der Inbetriebnahme mit dem Mess- und Prüfdienst vor Ort war. Pressesprecher Michael Reifenberg sagte: „Es kam bei der Inbetriebnahme zu störhaften Nebenabstrahlungen. Den Technikern war es gelungen, diese Störabstrahlungen durch Filter zu verhindern“. Da das aber nur eine provisorische Maßnahme war, wird die UPLINK Network GmbH nun einen entsprechenden Filter besorgen. Die Unternehmen konnten sich nach Auskunft der Netzagentur vor Ort nicht einvernehmlich auf eine Maßnahme zur Beseitigung der Störung einigen.

Die Bundesnetzagentur prüft, wie solche Fälle in Zukunft schon im Vorfeld verhindert werden können. Im Fall Saalfeld sollte es nach Ansicht der Bundesnetzagentur bei gutem Willen auf beiden Seiten möglich sein, im Interesse der letztlich betroffenen Hörerinnen und Hörer rasch eine technische Lösung zu finden.

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