Deutschlandfunk startet erstes bundesweites werktägliches Medienmagazin

Der Deutschlandfunk startet am 20. März 2017 ein neues Medienmagazin. @mediasres bietet Montag bis Freitag eine im deutschen Rundfunk bisher nicht vorhandene Fläche, um aktuelle Medienthemen hintergründig auszuleuchten – on Air, mit einer starken Onlinepräsenz und im Dialog mit Hörern und Nutzern. Die Sendung ist eingebettet in ein modernisiertes Programmschema, den neuen Kulturnachmittag im Deutschlandfunk. Mit @mediasres etabliert der Deutschlandfunk ein neues Format und knüpft zugleich an die 25-jährige Tradition der bisher am Samstag ausgestrahlten Sendung „Markt und Medien“ an. In Beiträgen und Gesprächen ordnet das neue Magazin Themen wie Medienwandel, Pressefreiheit und Medienethik in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext ein.

Der Legitimationsdruck und der Vertrauensabriss in Teilen der Bevölkerung, denen sich die tradierten Medien ausgesetzt sehen („Lügenpresse“, „Systempresse“, „Staatsrundfunk“ usw.) muss nicht zu Rechtfertigungsversuchen führen. Auf die unabhängige und professionelle Arbeit von seriösen Medien immer wieder hinzuweisen und sie sachlich zu erklären, erscheint aber sinnvoll und nötig: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie Medien ihre Themen finden, wie sie sie recherchieren, gegenchecken, aufbereiten und präsentieren – und dass manche Veröffentlichungen im Internet nur wenig mit der Arbeitsweise von seriösen Medien gemeinsam haben. Dadurch steht für Viele die Wächterfunktion einer unabhängigen Presse in einer Demokratie nicht nur infrage, sondern inzwischen auch zur Disposition. @mediasres wird vor diesem Hintergrund kritisch und selbstkritisch auf die immer größere Rolle blicken, die analoge wie digitale, privatwirtschaftliche wie öffentlich-rechtliche Medien bei gesellschaftlichen Prozessen spielen. Dabei wird die Freitagssendung @mediasres im Dialog Hörerinnen und Hörern die Gelegenheit geben, mit der Redaktion, Expertinnen und Experten über ein Thema und seine Behandlung in den Medien zu sprechen und ihre Meinung mitzuteilen.
Hier muss auch der transparente und selbstkritische Blick ins eigene Haus eine Rolle spielen – wo er sich anbietet. Das neue Medienmagazin berichtet dabei nicht über ein Thema, weil es sich im Deutschlandfunk ereignet hat. Aber wenn sich im nationalen Hörfunk etwas ereignet, über das die Redaktion auch bei anderen Medien berichten würde, kann es in die Sendung finden. Entscheidend im Hinblick auf die Relevanz eines Themas ist: Was ist passiert und welche Auswirkungen hat dieses Ereignis? Es geht darum, Hörerinnen und Hörer dazu befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden. @mediasres erfüllt nicht die Rolle eines Schiedsrichters, sondern informiert, erklärt und ordnet ein – auch in Form von Meinungsbeiträgen, personalisierten Kolumnen oder Glossen; aufklärend, aber nicht belehrend. Das Deutschlandfunk-Medienmagazin steht täglich neu für genaues Hinsehen, Recherchieren, Aufbereiten und Darstellen – nicht für Behauptungen. (Eigenbeschreibung der Sendung)

@mediasres hat ein breites Themenspektrum im Blick: Der Strukturwandel in der Medienwelt, Themen aus den Feldern Pressefreiheit, Medienethik, Medienpädagogik, Medienforschung, Medienpolitik, Medienkonzentrationen/Abbau von Medienvielfalt, wichtige Unternehmensentwicklungen und -entscheidungen, Programmbeobachtung in Radio, Internet, Fernsehen oder wichtige Personalien sollen bearbeitet werden.

@mediasres kooperiert mit Initiativen wie „Reporter ohne Grenzen“ (Berichte über Pressefreiheit in entlegenen Gegenden der Welt) und „Hoaxmap“ („Fake news“). Kolumnen werden im monatlichen Wechsel von Silke Burmester, Marina Weisband, Matthias Dell und Christian Ulmen verfasst.
Im Zuge der Konvergenzstrategie von Deutschlandradio entstehen zeitgleich auf der Website der Sendung, in den Sozialen Netzwerken und über weitere Ausspielwege zusätzliche, auch unterhaltende Elemente, die die lineare Sendung abbilden und ergänzen.

Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul: „Es geht um Fakten statt Fakes, um Dialog statt Abschottung, um Einordnung statt Tickerwissen. Mit der neuen Mediensendung wird der Deutschlandfunk einen wichtigen Beitrag für die eigenständige Meinungsbildung und für den demokratischen Diskurs in unserem Land leisten.“ Programmdirektor Andreas Weber ergänzt: „Die Medien sehen sich immer häufiger pauschaler und undifferenzierter Kritik ausgesetzt. Der Deutschlandfunk wird mit @mediasres die aktuellen Debatten kritisch begleiten, zugleich aber selbstkritisch und transparent über die Arbeitsweise von Journalistinnen und Journalisten auch im eigenen Haus berichten.“

Neuer Kulturnachmittag im Deutschlandfunk
Mit der der neuen Mediensendung geht eine weitere Profilschärfung des Nachmittagsprogramms im Deutschlandfunk einher. Mit überarbeiteten Schwerpunkten
schafft das Magazin „Campus & Karriere“ ab dem 20. März mehr Raum für wichtige Bildungsdebatten. Auch die Literatursendung „Büchermarkt“ nimmt aktuelle Entwicklungen stärker in den Fokus – bei der Besprechung von Büchern wie beim Aufgreifen von Diskussionen. Ein neues Konzept bietet „Corso – Kunst & Pop“, das tagesaktuelle Magazin zu Popkultur. „Mit einem frischen, neuen Sendekonzept, das doch viel Bewährtes und Vertrautes bietet, geht „Corso – Kunst & Pop“ ebenfalls am 20. März neu an den Start: Das künftige Themen-Alphabet reicht von Architektur, Bytes und Comics über Film und Mode bis Zukunftsmusik. Ohne Etiketten und Schubladendenken analysiert und diskutiert das tagesaktuelle Magazin von Montag bis Freitag künftig von 15.05 bis 15.30 Uhr und samstags von 15.05 bis 16 Uhr Phänomene der Gegenwartskultur. „Corso“ ist alles andere als reine Nacherzählungsberichterstattung oder Terminjournalismus, der nur die Chronistenpflicht erfüllt. Das Popkulturmagazin dreht Themen weiter, um Mehrwert und Neuigkeitswert zu bieten. „Corso“ wird auch in Zukunft musikjournalistisch ausgewählte Musik spielen, die aktuell ist und nationale und globale Trends abbildet. Denn Musik ist Information, und Popkultur ist ohne Popmusik nicht denkbar. Kulturschaffende werden weiterhin regelmäßig zu Gast im Studio sein und im „Corsogespräch“ Rede und Antwort stehen“, schreibt Matthias Gierthm Hauptabteilungsleiter Kultur Deutschlandfunk, in der März-Ausgabe des Deutschlandradio-Programmhefts.

Neu hinzugekommen ist die Sendung „Streitkultur“: Eine zugespitzte Frage, zwei Gäste, zwei konträre Positionen – dazu ein Moderator und ein weites Themenspektrum.

 

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