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Deutscher Radiopreis 2018: Die Gewinner stehen fest

Am Donnerstagabend (6. September) sind in Hamburg die besten Radiomacher und -macherinnen sowie Hörfunkproduktionen des Jahres 2018 in elf Kategorien ausgezeichnet worden. 133 Programme hatten sich mit insgesamt 385 Einreichungen am Wettbewerb beteiligt. Musikalisch umrahmt wurde die Gala von Lenny Kravitz, Max Giesinger, Revolverheld, Dua Lipa, Namika und Glasperlenspiel. Prominente Laudatorinnen und Laudatoren wie Norbert Blüm, die Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig sowie die Schauspielerinnen Esther Schweins und Jasmin Tabatabai übergaben die Preise an die Gewinner, die eine unabhängige Jury des Grimme-Instituts ausgewählt hatte.

Als beste Moderatorin wurde Kaya Laß von Antenne Niedersachsen ausgezeichnet, auch der Preis für den besten Moderator ging in den Norden. Philipp Schmid von NDR Kultur kann sich über diese Auszeichnung freuen. Die beste Morgensendung des Jahres kommt aus Sicht der Juroren aus der Hauptstadt und zwar von Simone Panteleit, Ron Perduss und dem Morgen-Team vom Berliner Rundfunk 91.4. Der mit Helena Daehler gleich auch noch die Newcomerin des Jahres stellt. Weitere Preise gab es für die NDR-Journalisten Benedikt Strunz und Philipp Eckstein, die auf Basis der Paradise Papers die Machenschaften in Steueroasen offenlegten. Patrizia Schlosser und Tim Kehl begaben sich in der “Besten Sendung” 2018 für Flux FM auf die Spuren der RAF. Für die beste Innovation wurde das N-JOY Night Lab ausgezeichnet, die beste Comedy 2018 kommt von Dietmar Simon und Buddy Ogün und läuft auf Radio Hamburg. Der Interview-Preis geht in diesem Jahr an Kristin Hunfeld von Bremen Zwei. Ebenfalls prämiert wurde Johannes Ott von Radio Gong 96,3 aus München für seinen Erste Hilfe Crash Kurs. Fritz hat den Pappbechern den Kampf erklärt und wurde dafür in der Kategorie “Beste Programmaktion” ausgezeichnet.

Beste Moderatorin: Kaya Laß mit Laudator Ingo Zamperoni, Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Moderatorin: Kaya Laß – Antenne Niedersachsen – „Mehr Musik bei der Arbeit“

Kaya Laß beeindruckt mit zahlreichen Fähigkeiten. Ein Kommunikationsprofi. Moderatorin, Gesprächspartnerin, Musikerin, Texterin und Sängerin. Sie ist glaubwürdig, natürlich und vor allem nahe bei den Hörerinnen und Hörern. Ihr Bekenntnis zur Region schwingt unaufhörlich mit, ohne aufgesetzt oder überdreht zu wirken.

Philipp Schmid, Bild: Deutscher Radiopreis

Bester Moderator: Philipp Schmid – NDR Kultur – „Klassisch in den Tag“

Philipp Schmid von NDR Kultur ist einer der jüngsten Preisträger der vergangenen Jahre in dieser Kategorie. Er verbindet seine Musikalität mit eloquenter Sprachfähigkeit, mit einem ganz eigenen intelligenten Humor und großem Respekt vor seiner allmorgendlichen Hörerschaft. Er ist ein echter Mutmacher für junge Radiotalente.

Ron Perduss und Simone Panteleit mit Laudator Matze Knop (r.), Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Morgensendung: Berliner Rundfunk 91.4 – Simone Panteleit und Ron Perduss – „Unser Team für Berlin“

Simone Panteleit und ihr Team meistern eine bemerkenswerte Bandbreite, die von guter Stimmung über Service bis zur Lokalpolitik reicht und auch vor den etwas komplexeren Themen nicht Halt macht. Ein hoher Reporteranteil sorgt für Präsenz in der Stadt und vermittelt den Hörerinnen und Hörern ein lebendiges Gespür fürs aktuelle Geschehen. Relevante Verbraucherthemen werden ernsthaft und nutzerorientiert aufbereitet. Simone Panteleit vereint als Gastgeberin journalistische Kompetenz und emotionale Hörernähe. Sie bezieht Stellung, zeigt sich glaubhaft engagiert und verleiht ihrer Sendung eine ganz persönliche Atmosphäre.

Helena Daehler mit Laudator Johannes Strate, Bild: Deutscher Radiopreis

Bester Newcomer: Helena Daehler  – Berliner Rundfunk 91.4

Es ist grimmig kalt in Berlin. Bei minus 15 Grad jagt man keinen Hund vor die Tür. Und was macht Helena Daehler? Sie zieht ihre dickste Jacke an und geht aus dem warmen Radio-Studio hinaus, um in der Frostnacht bei einem Mann zu sein, der kein Obdach hat. Er erzählt von sich, verrät, warum ein Ort ein Schlafplatz sein könnte und ein anderer nicht. Beim Berliner Rundfunk 91.4 hört es sich so an, als liefen zwei gute Bekannte miteinander durch die Stadt. Es ist privat, aber nie indiskret, direkt, aber stets höflich, achtsam, jedoch nicht anbiedernd und schon gar nicht fordernd oder lobend oder womöglich heroisch. Es gelingt ein glaubwürdiges Radiostück über ein leider auch wahres Stück Leben. Das ist die bestechende Leistung der Reporterin. Sie ist für das Radio absolut erste Wahl.

Dietmar Simon und Buddy Ogün mit Laudator Heikko Deutschmann (m.), Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Comedy: Radio Hamburg – Dietmar Simon und Buddy Ogün – „Die Radio Hamburg NEWSSHOW”

Verpackt als Hommage an Radio-Nachrichten brilliert „Die Radio Hamburg Newsshow“ mit einem charmanten Wortwitz, einer inhaltlichen Breite und politischer Bissigkeit, die ihres gleichen sucht. Dabei setzt diese Comedy auf eine der Stärken des Mediums Radio: Regionalität. Die inzwischen fast 700 gesendeten Folgen sind mit stets wiedererkennbarem Lokalkolorit durchwoben, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Die Detailliebe der Gags und Geschichten aus Politik, Sport und Gesellschaft mitsamt schlauen Querverweisen ist einzigartig – und das bei gleichbleibend hoher Qualität, jeden Tag.

Norbert Grundei und Mirko Marquardt mit Laudatorin Jasmin Tabatabai, Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Innovation: N-JOY (NDR) – Norbert Grundei und Mirko Marquardt –„Das N-JOY Night Lab“

Innovation ist nicht nur Technik. Um die junge Generation einer sich verändernden Gesellschaft zu erreichen, braucht Radio neue Stimmen, neue Gesprächsstile, neue Inhalte. Dies fördert nach Ansicht der Jury das Night Lab von N-JOY auf vorbildliche Weise. Es bietet einen geschützten und gleichzeitig professionellen Rahmen, in dem Nachwuchsjournalisten und Fachfremde experimentieren sowie Neues entwickeln können. Solch‘ ein Freiraum fördert Kreativität, die etablierte Strukturen allzu leicht bremsen.

Benedikt Strunz und Phlipp Eckstein mit Laudatorin Julia Becker, Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Reportage: NDR Info – Benedikt Strunz und Philipp Eckstein –„Paradise Papers“

Eine faszinierende Reportage, die dem Publikum auf spannende Weise transparent macht, wie Journalisten arbeiten, um eine Schattenwelt zu enttarnen und Missstände aufzudecken. Wie sie Millionen Dokumente über Steueroasen seriös und fundiert gemeinsam aufarbeiten und oft zu folgenreichen Enthüllungen kommen. Eine journalistische Arbeit von überragender Qualität, hier gekrönt von einer packenden erstklassigen Reportage.

Patrizia Schlosser und Tim Kehl mit Laudator Max Giesinger (m.), Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Sendung: Flux FM – Patrizia Schlosser und Tim Kehl – „Im Untergrund“

Originalaufnahmen von Studentenprotesten, Ausschnitte aus Radio- und Fernsehsendungen und Gespräche mit dem eigenen Vater: Patrizia Schlosser gelingt es in ihrer sechsteiligen Audioserie „Im Untergrund. Auf den Spuren der RAF“ Nähe zwischen Erzählenden und Zuhörenden herzustellen. Sie zeichnet so präzise den Weg der RAF nach, die für insgesamt 34 Morde, zahlreiche Banküberfälle und Sprengstoffattentate verantwortlich ist und schafft es, damit ein Stück deutsche Geschichte verständlich aufzubereiten.

Kristin Hunfeld mit Laudatorin Esther Schweins, Bild: Deutscher Radiopreis

Bestes Interview: Bremen Zwei – Kristin Hunfeld – „Zwei nach Eins“

Ein gut gemachtes Interview zählt zu den täglichen Herausforderungen des Genres. Kristin Hunfeld schafft es in „Zwei nach Eins“ im Interview mit Dominik Bloh in besonderer Weise einem eher introvertierten Gast und seiner höchst ungewöhnlichen Lebensgeschichte den notwendigen Raum zu geben. Es entwickelt sich ein spannender Dialog der den Zuhörer emotional mitnimmt und bis zum Ende fesselt. Die Auswahl des Themas, die gekonnte Moderation sowie die technische Gesamtumsetzung sind eine herausragende und preiswürdige Leistung.

Johannes Ott mit Laudator Norbert Blüm, Bild: Deutscher Radiopreis

Bestes Nachrichten- und Informationsformat: Radio Gong 96.3 – Johannes Ott – „Der Gong 96.3 Erste Hilfe Crash Kurs“

Das Radio lebt von verlässlichen Nachrichten- und Informationssendungen. Der diesjährige Preisträger hingegen will Leben retten. Die Jury zeichnet eine Sendung aus, die sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Hörerinnen und Hörer in einer Stunde zum Lebensretter auszubilden. Sie ist so informativ wie unterhaltsam gemacht, dass die an sich heikle Thematik zum fortgesetzten Zuhören und Mitlernen reizt. Der Hörer wird weder überfordert noch mit fadem Fachjargon abgeschreckt. Gong 96.3 unterhält ihn mit vertrauten Stimmen und Popsongs, bereitet ihn jedoch gleichzeitig auf eine Ausnahmesituation vor.

Momo Faltlhauser und Karen Schmied mit Laudatorin Laura Ludwig (m.), Bild: Deutscher Radiopreis

Beste Programmaktion: Fritz (rbb) – Karen Schmied und Momo Faltlhauser –„Fritz Abbechern – Kampf den Pappbechern”

Radio bewegt! Mit der inhaltlich klugen und gleichzeitig spielerisch umgesetzten Programmaktion „Abbechern – Kampf den Pappbechern“ hat Fritz vom rbb seine Hörer bewegt, in nur fünf Wochen auf über eine Million Coffee-to-go Pappbecher zu verzichten. Dabei hat die Redaktion alle Register gezogen: On-Air mit Interviews, Fakten-Jingles und Themenreihen. Online in der Fritz App mit dem Becher- Button, über den man seinen eigenen und den Stand aller „Gamer“ immer im Blick hatte. Off-Air mit dem Fritz Pappbecherazzo auf Becherjagd. Die Jury zeichnet eine Programmaktion aus, die in hervorragender Weise ihre junge Zielgruppe angesprochen und zu sinnvollem, ökologischem Handeln bewegt hat.

Barbara Schöneberger moderierte wie gewohnt die Gala im Schuppen 52 mitten im Hamburger Hafen. 69 öffentlich-rechtliche und private Radiosender in ganz Deutschland übertrugen die Show live. Nina Zimmermann (N-JOY) und Stefan Meixner (ANTENNE BAYERN) kommentieren für die Radiohörerinnen und -hörer im Lande. Die Aufzeichnung ist zudem zeitversetzt in Dritten Fernsehprogrammen der ARD zu sehen.

Stifter des Deutschen Radiopreises sind die Hörfunkprogramme der ARD, Deutschlandradio und die Privatradios in Deutschland. Zu den Kooperationspartnern zählen das Grimme-Institut, die Freie und Hansestadt Hamburg, die Radiozentrale – eine gemeinsame Plattform privater und öffentlich-rechtlicher Sender zur Stärkung des Hörfunks – sowie die Radio-Vermarkter AS&S Radio und RMS. Die Federführung liegt beim Norddeutschen Rundfunk.

 

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