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Chefredakteure im NRW-Lokalfunk: Hände weg von den Bürgerfunk-Sendezeiten

Der Bürgerfunk muss am angestammten Sendeplatz um 21.00 Uhr bleiben. Das fordern die Chefredakteurinnen und Chefredakteure der NRW-Lokalradios in einem offenen Brief an die Fraktionsspitzen im Landtag. Eine frühere Sendezeit bedeute für die Sender schwere programmliche und wirtschaftliche Nachteile. „Bürgerfunk ist ein Nischenprogramm,“ sagt Thorsten Kabitz, Chefredakteur von Radio RSG (Remscheid / Solingen) und Vorstandsmitglied des Vereins der Chefredakteure im NRW-Lokalfunk (VdC). „Er bleibt damit ein potenzieller Ab- und Umschaltfaktor.“ 21.00 Uhr habe sich für die sehr speziellen Programm-Angebote des Bürgerfunks bewährt, so Kabitz weiter.

Der nordrhein-westfälische Landtag will im Sommer eine Novelle des Landesmediengesetzes verabschieden. Der Entwurf der Landesregierung sieht vor, die bewährten Sendezeiten für den Bürgerfunk nicht zu verändern. Nach VdC-Informationen gibt es aber in einigen Fraktionen dennoch Überlegungen, den Bürgerfunk auf zwei Stunden täglich auszuweiten und künftig bereits ab 18 Uhr zuzulassen.

„Der frühe Abend ist inzwischen eine wichtige Sendezeit für das Radio,“ sagt VdC-Vorstand Georg Rose, Chefredakteur von Radio Wuppertal. „Sehr viele Sender haben deshalb ihr lokales Programm gezielt in die Abendstunden ausgeweitet. Diese zusätzlichen Sendungen und Nachrichtenformate möchten wir unseren Hörerinnen und Hörern auch in Zukunft anbieten!“ Nach VdC-Berechnungen hätte eine frühere Sendezeit für den Bürgerfunk auch drama-tische wirtschaftliche Folgen für die Lokalradios. Die Einnahmeverluste der Betriebsgesellschaften würden bei nahezu fünf Millionen Euro jährlich liegen. „Das macht uns große Sorgen,“ so Thorsten Wagner, Chefredakteur von Radio Lippe, der ebenfalls dem VdC-Vorstand angehört. „Wir befürchten, dass damit landesweit bis zu 100 Arbeitsplätze in unseren Redaktionen verloren gehen.“

VdC-Vorstand Andreas Houska, Chefredakteur von Radio Erft, betont ausdrücklich: „Der Bürgerfunk hat seinen Platz um 21.00 Uhr im Lokalfunk. Das hat sich bewährt und sollte so bleiben.“ Houska verweist dabei auf den härter gewordenen Wettbewerb. Seine Kollegin Andrea Stullich, Radio RST, empfiehlt deshalb, für den Bürgerfunk eine zeitgemäße Plattform im Internet bereitzustellen: „Das verhindert Kollisionen mit programmlichen und wirtschaftlichen Interessen.“ Die Redaktionen der 45 Lokalsender in NRW haben nämlich keinen Einfluss auf die Inhalte und die Musik der Bürgerfunksendungen.

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