Buch von Yvonne Malak: „Erfolgreich Radio machen“

320 Buchseiten voller Tipps, Anleitungen und Checklisten zu allen wichtigen Bereichen eines Hörfunksenders – von On Air Marketing über Marktforschung bis Morningshow – bietet mein Radiostrategiebuch, das ich nach einem Jahr nun endlich vollendet habe. Ganz besonders freue ich mich über die Gastbeiträge von prominenten Kollegen, wie z.B. von 104.6 RTL PD und Morningshowhost Arno Müller (zweifach mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet als „Beste Morningshow“ und für sein Lebenswerk). Am 17. Juni erscheint „Erfolgreich Radio machen“ im UVK Verlag Konstanz. Bei Radiowoche.de lesen Sie an dieser Stelle in den nächsten Monaten exklusive Auszüge aus “Erfolgreich Radio machen”. Einen großen Teil in “Erfolgreich Radio machen” nimmt das Kapitel “Morningshow” ein. Allein 60 Seiten sind diesem wichtigen Programmbestandteil gewidmet.

Yvonne Malak

Foto: Yvonne Malak

Die Morgensendung – Basics
Gibt es ein Rezept für eine funktionierende Morgensendung? – Sagen wir ein Basisrezept. Dazu gehören:
• eine klare Strategie für die Show,
• ein sympathischer Anchor, der das Team führt ,
• mindestens ein authentischer „Gegenspieler“ mit einer anderen Sichtweise,
• Persönliches von den Moderatoren,
• Basics wie Service, Nachrichten, Lokalnachrichten, Aktuelles,
• relevante Themen aus der Lebenswelt der Hörer ,
• (gegensätzliche) Meinungen zu den Themen,
• Benchmarks,
• Unterhaltung im weitesten Sinne und
• Teasing.

Wenn zwei authentische und sympathische Persönlichkeiten relevante Themen aus der Lebenswelt der Hörer mit Spaß und Emotion transportieren, alle Basics berücksichtigen, dabei authentisch sind und viel von sich preisgeben, um Identifikationspunkte für den Hörer anzubieten, ist dies die perfekte Ausgangssituation, um mittelfristig eine erfolgreiche Morgensendung zu etablieren.

Die Gestaltung einer optimalen Morgensendung wäre also kein Hexenwerk – nur solides Handwerk – wenn da der Faktor Mensch nicht wäre…

Die Protagonisten und die Strategie
Zwei Punkte sind entscheidend für den Erfolg einer Morgensendung: die strategische Ausrichtung der Show und die Auswahl des Anchors. Wen soll die Sendung ansprechen? Wer soll sich in der Show wiederfinden? Da die Gesamtanmutung zu keiner anderen Zeit so stark von den Charaktermerkmalen und der Lebenswelt des Moderators abhängt wie am Morgen, braucht man zunächst eine Strategie für die Show, um dann den optimalen Anchor zu finden.

Ein Anchor repräsentiert die Werte des Senders. Die Zusammensetzung der Show gibt vor, welche Hörerschaft sich in den Charakteren der Sendung wiederfindet und eine starke Bindung zu den Moderatoren herstellen kann.

Von der Strategie hängt also alles ab: die Wahl des Anchors, der Aufbau des Teams sowie die Gestaltung der Inhalte und Benchmarks. Die Gesamtstrategie wiederum ist abhängig von den Gegebenheiten des Marktes.

Checkliste: Morgenshow
• Wen soll die Show ansprechen (Altersgruppen, Sinusmilieus, Stadt- versus Landbevölkerung)?
• Wie sieht der klassische Beispielhörer aus (Alter, Beruf, Einkommen, Familenstand)?
• Was sind die wichtigsten Eckdaten der gesamten Zielgruppe (Altersgruppe von bis, Verteilung Männer/Frauen, Väter/Mütter, Singles)?
• Welche Charaktermerkmale sollten sich demzufolge in den Protagonisten wiederfinden?
• Welche Konstellation und Ausrichtung ist einzigartig im Markt? Macht ein Zweier- oder ein Dreierteam mehr Sinn?
• Könnte eine weniger klassisch angelegte Konstellation ein USP sein? Z. B. eine Morningshow, die aus zwei Männern besteht?
• Welche Unterscheidungsmerkmale von anderen Shows finden Sie?
• Ist die Show unterhaltsam oder lustig?
• Hat die Show ein zentrales Thema wie z. B. „Männer und Frauen – der ewige Kampf der Geschlechter“ oder: „Der Alte und der Hipster“?
• Was sollen die Hörer nach einer gewissen Zeit über die Show denken?

Wenn Sie all das geklärt haben, „backen“ Sie sich Ihre Moderatoren für die Morgensendung. Zuerst den Anchor – z. B. einen verheirateten Mann in den 30ern mit ein bis zwei Kindern, einer berufstätigen Frau und einer super Radiostimme, der seine Wurzeln in Ihrem Sendegebiet hat und der ein ebenso guter Geschichtenerzähler wie Radiostratege ist. Wenn sie ihn gebacken haben, rufen Sie mich an und verraten mir das Rezept. Auch wenn es nahezu unmöglich ist, den absolut perfekten Anchor zu finden, so sollten einige grundsätzliche Charaktermerkmale klar und ausschlaggebend für die Zusammenstellung des Moderatorenteams sein. Zwei junge Singles in einer Morgensendung für die Zielgruppe von 25- bis 55-jährigen in einem traditionell geprägten Sendegebiet wie Bayern oder Baden-Württemberg sind sicher keine optimale Wahl. Denn in einer Morgensendung geht es vor allem um Persönlichkeit und Identifikationsfiguren, die den Sender und seine Zielgruppe repräsentieren und mit persönlichen Geschichten das Leben der Hörer widerspiegeln sollen. Dieses Abbilden der Lebenswelt über das Preisgeben eigener Erlebnisse und sich daraus ergebender Themen ist das Erfolgsrezept aller großen Unterhaltungsshows am Morgen. Von Los Angeles bis Leipzig. Mehr dazu in „Erfolgreich Radio machen“ im Kapitel „Themenfindung und –Umsetzung“. An einer anderen Stelle des Buches ist die Rede von den Millionen Menschen, die auf der Fahrt zur Arbeit das Auto nutzen und sich dabei mehrheitlich durch das Radio und „ihre Morgensendung“ unterhalten lassen. Angesichts neuer Bordcomputer, Ausbau der Internetversorgung und Streamingdiensten, die ebenfalls in die neuen Entertainment Systeme der großen PKW-Hersteller drängen, ist diese persönliche Bindung eine Art „Einschaltquotenversicherung“ und die Auswahl des Anchors und seines Teams eine diffizile Aufgabe.

Muss der Anchor immer männlich sein?
Es gibt eine Menge hervorragende von Frauen getragene Morgensendungen in Deutschland und interessanterweise sind die Stimmen in PKW-Bordcomputern fast immer weiblich – ebenso wie „Siri“, die hilfreiche Stimme des iPhone, u. a. in den USA und Deutschland die Fragen mit einer weiblichen Stimme beantwortet (in Frankreich und Großbritannien ist „Siri“ allerdings männlich). Clifford Nass, Professor an der Universität Stanford, sagte in einem Interview aufCNN.COM zum Thema „Warum Computerstimmen meistens weiblich sind“ über das Phänomen der weiblichen Stimmen in Navigationssystem oder bei „Siri“:

»Es ist viel einfacher, eine weibliche Stimme zu finden, die jeder mag, als eine männliche. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass ein menschliches Gehirn darauf ausgelegt ist, weibliche Stimmen zu bevorzugen. Forschungen ergaben, dass diese Vorliebe bereits im Mutterleib beginnt.«

Föten reagierten auf die Stimme ihrer Mutter. Auf die Stimmen der Väter reagierten die Föten überhaupt nicht, so der Wissenschaftler. Im selben Artikel findet man dazu auch folgendes Statement von Tim Bajarin, Präsident von CreativeStrategies.Inc: »Die Kundenbefragungen der PKW-Hersteller ergaben bereits vor Jahrzehnten eine überwältigende Präferenz für Frauenstimmen.« Das erklärt, warum die „Stars“ der Shows immer die Frauen sind. Wenn ich alle mir bekannten Moderatorenbewertungen von Morningshow-Teams zusammennehme, ergibt sich bei der Beliebtheit der einzelnen Protagonisten ein deutlicher Vorsprung für die weiblichen Stimmen.

Frauen sind beliebter und Männer führen die Shows
In den meisten Fällen sind aber die führenden (und oft auch Namengebenden) Moderatoren, also die Morgenshow-Anchor, männlich. Die tiefen männlichen Stimmen werden von den Verantwortlichen kommerzieller Massenprogramme für die Anchor-Rolle favorisiert. Macher gehen – so meine Erfahrung – davon aus, Hörer würden einer warmen, tiefen, männlichen Stimme Fehler eher verzeihen. Weitere Vorannahmen: Tiefe Männerstimmen werden als angenehmer und glaubwürdiger empfunden, eine tiefe Stimme darf auch mal lauter sprechen oder mehrere Minuten am Stück eine Geschichte erzählen. Die wahren Gründe für das Bevorzugen von Männern in der Anchorrolle liegen vermutlich im tradierten Rollenverständnis. Die tiefere Tonlage männlicher Stimmen ist dennoch ein wichtiger Aspekt. Emma Rodero ist Professorin für Kommunikationswissenschaften an der Pompeu Fabra Universität in Barcelona und hat mehr als zehn Bücher und ca. 50 wissenschaftliche Artikel über Kommunikation im Radio veröffentlicht.

Im Wissenschaftsfachblatt US-CHINA EDUCATION REVIEW Ausgabe April 2013 schreibt sie: »Die Tonlage einer Radiostimme muss tief sein. Die meisten Menschen bevorzugen tiefe Stimmen, da diese eine größere Glaubwürdigkeit und mehr Vertrauen ausstrahlen. Das ist leicht zu verstehen, wenn man tiefe Stimmen mit höheren vergleicht, z. B. mit der eines Kindes. Höheren Stimmlagen […] wird nicht so stark vertraut wie tieferen Stimmlagen. Aus diesem Grund empfiehlt die Mehrheit aller Autoren zu diesem Thema für wichtige Botschaften im Radio tiefere Stimmen zu wählen…wie z. B. Keith Cohler in seinem 1985 erschienenen Buch ›Broadcast Journalism. A Guide for the Presentation of Radio and Television News‹. Er schreibt: ›Im Radio werden die tieferen Stimmlagen bevorzugt – das gilt für männliche und weibliche Stimmen. Sorry für die hohen und die Sopran-Stimmen, aber so funktioniert es‹. All diese Angaben stimmen exakt mit unseren Untersuchungen überein. Die Schlussfolgerung lautet, dass radiotaugliche Stimmen die sind, welche eine tiefere Tonlage haben und dadurch Sicherheit und Glaubwürdigkeit ausstrahlen. In einer spezifischen Studie (Rodero, 2001) wurden die Teilnehmer gefragt, von welcher Art von Stimmen sie lieber Radionachrichten präsentiert bekommen wollen. Die Antwort war klar: Es waren immer die tiefen Stimmen – egal ob Männer oder Frauen. Diese wurden als kraftvoller, verständlicher, glaubwürdiger, ruhiger, direkter, kommunikativer, näher, freundlicher, wärmer und natürlicher empfunden.« In einem Punkt sind sich die Wissenschaftler also anscheinend einig: Eine gute, glaubwürdige, vertrauenerweckende Radiostimme bewegt sich in den tiefen Tonlagen. Diese Stimmpräferenzen und die Führungsrolle, die der Anchor innerhalb der Show einnimmt, sind möglicherweise die Gründe für die Wahl eines Mannes als Anchor. Alles über eine funktionierende Morgensendung, dazu Tipps von Koryphäen wie Arno Müller und Dennis Clark, Vicepresident Talent Caoching der iHeartMedia Gruppe in „Erfolgreich Radio machen“ von Yvonne Malak.
UVK_GR_ErfolgreichRadioMachen_Malak_Umschlag_150327.inddYvonne Malak
Erfolgreich Radio machen 2015,
320 Seiten, 25 farb. Abb., Klappenbroschur
ISBN 978-3-86764-553-9
34,99 € UVK Verlag Konstanz
http://www.uvk.de/isbn/9783867645539

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