Ausschreibung für ein Integrationsradio in arabischer und deutscher Sprache in Berlin

Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat die Ausschreibung für den Aufbau eines Integrationsradios in arabischer und deutscher Sprache beschlossen.

Für die Verbreitung steht die UKW-Frequenz 91,0 MHz mit Senderstandort Berlin zur Verfügung, unterstützt wird die Ausstrahlung des Programms durch UKW-Sender kleinerer Leistung an Flüchtlingsstandorten in Brandenburg. Dort kommen Grundstücksfrequenzen mit bis zu 10 Watt Leistung zum Einsatz, die Zuführung erfolgt über Satellit. Die mabb übernimmt die entstehenden Senderkosten. SES Astra unterstützt das Projekt und stellt erstmal für ein Jahr die Satellitenkapazität kostenlos zur Verfügung.

Die 91,0 MHz wird aus Frankfurt/Oder, wo sie seit dem Spätsommer nicht mehr von Klassik Radio genutzt wird, nach Berlin verlagert. Mit dem Start des Integrationsradios ist frühestens Ende des 1. Halbjahrs oder in der zweiten Jahreshälfte 2016 zu rechnen.

„Ein UKW-Radiosender mit einem verlässlichen Informations- und Serviceangebot soll den Geflüchteten, die in Berlin und Brandenburg angekommen sind, Orientierung bieten und dabei gleichzeitig Sprachkompetenz vermitteln“, so mabb-Direktor Dr. Hans Hege.

In der Ausschreibung heißt es: „Die in Berlin ansässige gemeinnützige Organisation MICT verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit Medienprojekten im arabischen Raum und in arabischer Sprache. Dieses Know-How könnte mit den Kompetenzen öffentlich-rechtlicher und privater Sender der Region gebündelt werden.“

MiCT – Media in Cooperation and Transition engagiert sich mit Medienprojekten in 15 Ländern. Die Non-Profit Organisation steht u.a. hinter dem Projekt Syrnet. Die Berliner haben zusammen mit Oppositionsradios in Syrien das Radioprogramm Syrnet aufgebaut. Verbreitet wird es über Satellit und – das ist der Clou – über kleine selbstentwickelte Sendegeräte, Pocket FM getauft, die das Satellitensignal dann vor Ort auf UKW weiterverbreiten. MiCT kümmert sich auch um die Weiterbildung von Journalisten in Krisengebieten.

Für das geplante Berliner Integrationsradio sucht MiCT bereits seit Mitte November per Stellenanzeige arabischsprachige Moderatoren, Reporter, Redakteure und Musikredakteure.

Orientierungshilfe
Die etwa 100.000 aufgenommenen Asylsuchenden in Berlin und Brandenburg, ein großer Teil von ihnen stammt aus dem arabischen Raum, haben dringenden Bedarf an Information und Orientierung. Vor allem der Gang zu Ämtern, zur Rechtsberatung und zu Ärzten, der Abschluss von Verträgen oder die Kommunikation mit Kindertagesstätten und Schulen stellt für viele Neuankömmlinge eine bedeutende Herausforderung dar. Auch das alltägliche Leben in Deutschland ist nicht für jeden selbsterklärend. „In dieser besonderen Situation versuchen wir schnell und pragmatisch im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten zu handeln“, erklärt Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer, Vorsitzender des Medienrats. „Mit dem Radioprogramm möchten wir einen Beitrag für diejenigen leisten, für die es aufgrund der politischen Verhältnisse in ihren Heimatländern in absehbarer Zeit keine Rückkehrperspektive gibt. Berlin und Brandenburg werden für die meisten Betroffenen zumindest auf Zeit der Mittelpunkt eines neuen Lebens sein, für das sie dringend praktische Orientierung benötigen.“

Ausschreibung und Förderung
Inhalt der Ausschreibung der mabb ist die Förderung eines Radiosenders in arabischer und deutscher Sprache zur Unterstützung der Orientierung und Integration von Flüchtlingen und Migranten in Berlin und Brandenburg.  Mit praktischen Informationen und Serviceelementen sollen große Teile der Zielgruppe erreicht werden. Ein auf diese Zielgruppe ausgerichtetes Musikprogramm soll die Aufmerksamkeit erhöhen und die Akzeptanz zusätzlich stärken.

Das Integrationsradio soll von vornherein auf die Nutzung der Möglichkeiten des Internets und der sozialen Netzwerke und ihrer Vernetzung mit UKW ausgerichtet sein. Dies hat eine besondere Bedeutung, weil soziale Netzwerke in der Zielgruppe weit verbreitet sind und im Internet weiterführende Informations-und Serviceangebote für die Nutzer bereitstehen.

„Durch ihre sparsame Haushaltsführung verfügt die mabb über Rücklagen, die eine Anschubfinanzierung ermöglichen“, so Dr. Hans Hege. „Ab Sendestart sichert die Medienanstalt für maximal ein Jahr diese Anschubfinanzierung. Spätestens ab dem zweiten Sendejahr muss die Finanzierung aber vorwiegend durch andere Finanzquellen gesichert werden.“

Bis zum 18. Februar 2016 können sich Antragsteller bei der mabb bewerben.

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