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Aufklärung mit Harald Schmidt – warum Depression eine der am meisten unterschätzten Volkskrankheiten ist

Neulich im Großraumbüro eines Radiosenders. Redakteur S. zu Producer W.: „Der F., der packt den Stress in der Morgenshow doch nicht mehr – der liegt ja schon beim Psychodoc auf der Couch“. Erkrankt ein Kollege aus den Medienberufen an einer Depression, ist ein offener Umgang mit der Krankheit eher die Seltenheit. Denn: geht jemand mal offen damit um, wird er schnell in eine Ecke gedrängt. Wer einmal ein solch herablassendes Zitat gehört hat (und: mal ehrlich – welcher Mitarbeiter eines hippen Medienunternehmens in Berlin, Hamburg oder München hat das nicht…), überlegt sich im Falle einer eigenen psychischen Erkrankung mindestens zweimal, ob er nicht lieber eine ansteckende Infektion oder ein ekliges Hautekzem als Begründung für einen Arbeitsaufall vortäuscht, anstatt die Wahrheit zu sagen.

Depression passt nicht so gut in die coole Welt des Entertainment. Entertainment impliziert schnell, frech, extrovertiert sein. Depression bedeutet eher bleierne Lähmung und Rückzug. Und so ein blöder Spruch von wegen „beim Psychodoc auf der Couch“ klingt ja auch ganz schön cool. Wie sich der tragische Fall des Germanwings Co-Piloten Andreas Lubitz auf den Umgang mit der Krankheit Depression auswirken wird, wissen wir jetzt noch nicht. Noch mehr Heimlichtuerei und Vertuschungsversuche wären das Schlimmste, was passieren könnte. Deshalb lasst uns über Depression reden – mit Harald Schmidt.

Harald Schmidt will mehr Medienaufmerksamkeit für die Krankheit Depression
Seit 8 Jahren engagiert sich Entertainer Harald Schmidt als Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe für die Entstigmatisierung der Krankheit Depression: „Es gibt ja eine Art Hierarchie der Krankheiten in der Medienaufmerksamkeit. Mich hat das schon immer gestört, dass Krankheiten einen Imagefaktor haben. Unsere Krankheit Nummer Eins ist sicher Krebs, gefolgt vom guten alten ‚Herzkaschper’ – wozu der Klassiker gehört, sich drei Tage später schon im Jogginganzug in der Reha auf dem Fahrrad fotografieren zu lassen und zu sagen, ‚Ich bin wieder fit, ich werde mein Leben ändern, jetzt weiß ich, was meine Familie für mich bedeutet’ und so weiter. Bei Depressionen ist das eben nicht so einfach. Und obwohl die Krankheit sehr weit verbreitet ist, wagen die Betroffenen nicht, offen darüber zu sprechen.“

In Deutschland leiden circa 5 Prozent der Erwachsenen unter einer akuten Depression, wobei Frauen doppelt so häufig wie Männer betroffen sind, und dies gilt auch für Medienmacher, wobei hier die Dunkelziffer besonders hoch sein dürfte. In einem mittelgroßen Medienhaus mit 100 Mitarbeitern gibt es also mindestens fünf depressiv Erkrankte. Nur: es spricht kaum jemand drüber. Die Infotafel auf der Homepage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (www.deutsche-depressionshilfe.de) klärt darüber wie folgt auf: Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Und: Depression ist eine lebensgefährliche Erkrankung. Der mit Depressionen einhergehende hohe Leidensdruck dokumentiert sich eindeutig darin, dass die große Mehrheit der jährlich 10.000 Suizide und ca. 150.000 Suizidversuche in Deutschland auf dem Boden einer nicht optimal behandelten Depression erfolgen. Weil die Medienbranche so klein ist und jeder jeden kennt, muss man nur ganz kurz nachdenken, bis einem der eine oder andere Kollege einfällt, der viel zu früh aus dem Leben geschieden ist – wegen eines Suizides, der vielleicht verhindert hätte werden können.

Wirtschaftlicher Aspekt: Arbeitsausfall.
Vom menschlichen Aspekt abgesehen, hat das Ganze auch eine wirtschaftliche Seite: Auf 100 Versicherte aus den Medienberufen kommen jährlich 106 Arbeitsunfähigkeitstage wegen Depression. Jedoch betont Prof. Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: „Einer bestimmten Personengruppe aufgrund ihres Berufs oder ihrer Bildung ein Depressionsrisiko zuzuschreiben, ist schwierig. Wie häufig das Krankheitsbild diagnostiziert wird, hängt unter anderem davon ab, wie gut die Erkrankung akzeptiert wird. Es spielt eine Rolle, ob es das Arbeitsumfeld erlaubt, bei einer leichteren Depression noch im Arbeitsrhythmus bleiben zu können”. Es ist nicht auszuschließen, dass gerade im Medienbereich die Häufigkeit besonders unterschätzt wird, da diese Erkrankung besonders wenig zu dem hippen und extrovertierten Umfeld paßt.

Aufklärung mit Harald Schmidt – Radiospots der Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat mit Unterstützung ihres Schirmherrn Harald Schmidt eine Radiospot-Serie produziert, die für mehr Aufklärung sorgen soll. In dem Spot weist Harald Schmidt zunächst auf die kostenfreie Web-Informationsplattform der Stiftung hin, auf der sich Betroffene, Angehörige, Fachleute und Interessierte in einem moderierten Diskussionsforum auch direkt austauschen können.

Im zweiten Flight steht die Ankündigung des „3. Deutschen Patientenkongresses Depression“ am 12. und 13. September 2015 im Gewandhaus zu Leipzig im Fokus. Diese deutschlandweit einzigartige Veranstaltung zieht rund 1.500 Betroffene und Angehörige aus ganz Deutschland ins Leipziger Gewandhaus. Moderiert wird der Kongress vom Stiftungs-Schirmherrn Harald Schmidt. „Depression ist eine Krankheit ohne Lobby und alles andere als lustig. Je mehr jeder einzelne über die Krankheit weiß, umso besser kann er damit umgehen“, begründet Harald Schmidt sein Engagement.

Die Social Spots stehen Medienpartnern unbegrenzt zur Verfügung und stehen zum Downlaod bereit unter: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/downloads-fotos-logos.php Alle, die mitmachen und die Spots in ihre Werbeblöcke aufnehmen oder als Fillerspots für Regionalisierungen nutzen, sei gedankt. Vielleicht ist das auch ein kleiner Schritt zu einem besseren und offeneren Umgang mit dem Thema unter Kollegen und im Betrieb.

Mehr Infos bei Heike Friedewald
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Semmelweisstr. 10

04103 Leipzig


Tel: 0341/97-24512

Fax: 0341/97-24599
heike.friedewald@medizin.uni-leipzig.de

Infokasten Depression:
Was ist eine Depression?
Eine Depression im medizinischen Sinn muss deutlich unterschieden werden von depressiven Verstimmungen, die jeder kennt und die zum Leben dazugehören. Neben der gedrückten Grundstimmung und dem Verlust von Interesse und Freude leiden an Depression erkrankte Menschen in der Regel an Antriebsstörungen. Alles erfolgt wie gegen einen bleiernen Widerstand. Es bestehen Konzentrationsstörungen, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle. Hinzu kommen in den meisten Fällen körperliche Missempfindungen sowie Schlafstörungen oder Appetitmangel, oft verbunden mit Gewichtsverlust.

Gute Behandlungsmöglichkeiten nutzen
Depressionen sind gut behandelbar. Die wichtigsten Säulen der Behandlung einer Depression sind die Pharmakotherapie (Behandlung mit Antidepressiva) und die Psychotherapie. Oft ist es sinnvoll, beide Behandlungsformen zu kombinieren.

Jedoch erhält von der großen Zahl depressiv Erkrankter nur eine Minderheit eine optimale Behandlung. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Fehlende Hoffnung und mangelnde Energie der Betroffenen, um sich Hilfe zu holen, aber auch die Fehleinschätzung als persönliches Versagen und die Stigmatisierung der Erkrankung.

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